
Herr Clauß, Herr Hüstreich – A.K.tiv, Bettina Hagedorn, MdB, Herr Ingwertsen-Martensen von der Berufsschule Eutin, Herr Ernst-Dieter Rossmann, MdB und Herr Uwe Tewes, SPD Ortsvereinsvorsitzender – Foto: Wilhelm Hasse
Am 18. Juni 2012 besuchte ich gemeinsam mit Dr. Ernst Dieter Rossmann (MdB), bildungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, auf besonderen Wunsch des Geschäftsführers Thomas Hüstreich und des Schulleiters der Beruflichen Schule des Kreises Ostholstein, Carsten Ingwertsen-Martensen, erneut das A.K.tiv Therapiezentrum in Eutin - eine interdisziplinäre Praxis für Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Heilpädagogik.
Anknüpfend an meinen 1. Besuch am 20. Februar 2012 mit MdL Lars Winter haben wir erneut über Möglichkeiten einer in Zukunft für jeden und jede finanzierbare und gleichzeitig qualitativ aufgewertete Ausbildung in der Ergo- und Physiotherapie zur umfassenderen Vitaltherapie gesprochen. Der Besuch stand unter dem Motto „Versprochen-Gehalten“ statt, denn klar ist, dass die konzeptionellen Vorstellungen sowohl des Berufsschulleiters wie auch des A.K.tiv-Geschäftsführers erheblichen Gesprächsbedarf und Konfliktpotential zwischen einerseits Bund und Ländern wie auch andererseits zwischen Gesundheits- und Bildungsministerien beinhalten. Gleichwohl schätze ich das neue Ausbildungskonzept zum „Vitaltherapeuten“ als eine sinnvolle Initiative ein, die eine wichtige Debatte befördern wird und dennoch – wie allen bewusst ist – „das Bohren dicker Bretter“ bedeutet.
Bisher sind für die Ausbildung in therapeutischen Berufen Privatschulen zuständig, deren hohe Schulgelder von 400 Euro und mehr pro Monat (plus Lebensunterhalt!) für viele Interessierte eine zu hohe Hürde darstellen, um diesen Berufswunsch zu verwirklichen – obwohl wir gleichzeitig in einen gewaltigen Fachkräftemangel bei diesen Berufen in einer älter werdenden Gesellschaft gehen. Denn wir brauchen in Deutschland – und vor allem im „Gesundheitsland Schleswig-Holstein“ – dringend junge Menschen, die sich für eine Ausbildung in therapeutischen wie auch in Pflegeberufen entscheiden.
Wir begreifen die Arbeit in der Gesundheitsbranche als gesamtgesellschaftliche und solidarisch zu finanzierende Aufgabe. Deshalb müssen Gesundheitsberufe qualitativ aufgewertet werden und die gesellschaftliche wie auch die finanzielle Anerkennung steigen, gemäß unserem Leitspruch „Guter Lohn für gute Arbeit“. Im Koalitionsvertrag für das Land Schleswig-Holstein haben wir daher festgeschrieben dass wir uns für eine integrierte Ausbildung in der Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege in Modulen und mit Differenzierungsmöglichkeiten bis zu Hochschulabschlüssen einsetzen. Die grenzübergreifende Anerkennung der Ausbildungsgänge unterstützen wir ebenso wie ein qualifiziertes Weiterbildungssystem.
Eine gebührenfreie staatliche Berufsfachschule, wie sie Herr Hüstreich und Herr Ingwertsen-Martensen vorschlagen, wäre für alle Interessierten unabhängig von ihrem Geldbeutel attraktiv. Die geplante modularisierte Ausbildungsform zum bzw. zur Vitaltherapeutin könnte potentiell auch akademisch aufgewertet werden.