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„Netzausbau – der Schlüssel für die Energiewende … nicht erst seit Japan!“

Veranstaltungen

Lensahn, 18 April 2011


Bettina Hagedorn, Hermann Albers, Regina Poersch

Bereits zum fünften Mal seit 2004 lud ich am 18. April 2011 in Lensahn zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „Netzausbau – der Schlüssel für die Energiewende … nicht erst seit Japan!“ ein. Über 100 interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung, um gemeinsam mit mir, dem Präsidenten des Bundesverbands WindEnergie e.V., Hermann Albers, und MdL Regina Poersch über die Brisanz und Dringlichkeit des Netzausbaus zu diskutieren. Schon in den vergangenen Jahren stieß dieses Thema auf enorme Resonanz, so bspw. am 25.08.2009 in Oldenburg, wo ich gemeinsam mit meinen Ende 2010 leider viel zu früh verstorbenen renommierten Bundestagskollegen, Träger des alternativen Nobelpreises und Buchautor, Dr. Hermann Scheer - der bereits dreimal als Referent mein Gast in Ostholstein war - zum Thema „Energie ohne Angst“ informierte. Am 23.01.2007 lud ich in Lensahn zur Podiumsdiskussion „Welche Chancen bietet das neue Infrastrukturplanungsbeschleunigungsgesetz für Erdkabel statt Freileitung?“, schon damals mit Hermann Albers, Regina Poersch, der Rechtsanwältin Dr. Ursula Prall und dem GEOmbH-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Marten Jensen. Mit dieser Veranstaltung gingen wir dann auch gemeinsam mit dem damaligen MdBs Wolfgang Wodarg und Jörn Thiessen in ihren Wahlkreisen auf „Tournee“. Schon am 13.09.2004 war Dr. Hermann Scheer zum Thema „Chancen für Ostholstein durch Windkraft und Biomasse“ in Oldenburg zu Gast.

Mit informativen Vorträgen von hochkarätigen Referenten und einer anschließenden lebhaften Diskussion war auch diese „Fraktion-vor-Ort“-Veranstaltung wieder ein voller Erfolg. Hermann Albers referierte in einem hoch spannenden Vortrag über die Chancen eines raschen Ausbaus der erneuerbaren Energien. Gemeinsam mit mir machte er deutlich, dass dieser Ausbau dringend von einem beschleunigten Ausbau der Netze zur Einspeisung des Stroms begleitet werden müsse. Gerade vor dem Hintergrund der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima könne man sich weitere Verzögerungen, wie sie E.ON im Sinne der Atomlobby seit Jahren in Schleswig-Holstein praktiziert, nicht mehr leisten. Anschließend stellte die Landtagsabgeordnete Regina Poersch die Position der SPD-Schleswig-Holstein zum Netzausbau dar. Der stellvertretende energiepolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Dirk Becker (MdB), mit dem ich diese Veranstaltung gemeinsam leiten wollte, war leider kurzfristig wegen eines Trauerfalls verhindert.

Auch viele Windmüller waren meiner Einladung gefolgt und beteiligten sich an der Diskussion um einen zeitnahen Netzausbaus. Es sind genügend erneuerbare Energien vorhanden, nur sie gelangen nicht zum Verbraucher, da sich die Netze als „Nadelöhr“ darstellen. Von der erzeugten Windkraft werden 0,2 Prozent abgeschaltet, aber diese Abschaltungen erfolgen vorwiegend in Schleswig-Holstein und dieses ist den zu kleinen Leitungen geschuldet. Am Ende bestand Einigkeit bei allen Teilnehmern darin, dass der unverzügliche Trassenausbau kommen muss und wir dafür keine weiteren 10 Jahre Zeit mehr zur Verfügung haben. Die Entscheidung über den Ausbau der Leitung von Göhl nach Lübeck über 110 oder 380 kV muss so schnell wie möglich fallen und dann unverzüglich als Erdkabel realisiert werden. Diese Forderung habe ich an diesem Abend noch einmal in aller Deutlichkeit an die E.ON gerichtet, die ihre Verzögerungstaktik aufgeben und endlich Taten folgen lassen muss! Anstatt Geld und Zeit in Rechtsauskünfte zu stecken, um Gesetze – z.B. das Infrastrukturplanungsbeschleunigungsgesetz - auszuhebeln, muss sie ihre Aufgabe der vorrangigen Einspeisung erneuerbarer Energien endlich und im vollen Umfang erfüllen. Bereits seit über 10 Jahren ist die E.ON beim Netzausbau in Ostholstein untätig, und abgesehen von meiner Veranstaltung am 05.09.2005 unter dem Titel "110 KV-Trasse Göhl – Lübeck im Streit?!" in Oldenburg hat sich das Unternehmen der öffentlichen Diskussion entzogen und auch meine Einladung zur Veranstaltung am 18.04. ausgeschlagen. Wieder einmal hat sie E.On hier aus der Verantwortung gestohlen und die öffentliche Diskussion gescheut – auch das ein vielsagendes Zeichen seiner „Hinhaltetaktik“.
Hermann Scheer hatte 2009 einmal gesagt: „Es geht hier nicht nur um Energie, es geht um alles! In drei bis vier Jahrzehnten sind die unterirdischen Energieträger wie Kohle, Erdöl, Gas und Uran/Atomkraftgewinnung am Ende. Deshalb zählt jedes Jahr.“ Dennoch hat die 2009 gewählte schwarz-gelbe Bundesregierung ohne Not im Herbst 2010 den von Rot-Grün 2000 beschlossenen Atomkonsens aufgekündigt und die Verlängerung der Laufzeiten durchgesetzt. Angesichts dessen war allen Teilnehmern meiner Veranstaltung bewusst, dass diese Worte von Hermann Scheer heute eine noch größere Bedeutung haben und schnellstmöglich von Taten im Sinne eines konsequenten Netzausbaus gefolgt werden müssen. Denn ohne Netzausbau wird der Atomausstieg nicht zu schaffen sein.

Einen TV-Beitrag der ZDF-Sendung „Frontal 21“ vom 12. April 2011 zum Thema Netzausbau können Sie hier abrufen, das dazugehörige Interview von „Frontal 21“ mit Hermann Albers können Sie hier anschauen.

Video: Nach-Atomwende-Streit-um-Stromleitungen

Video: Verband-Netzausbau-versaeumt