Vor 100 Jahren - am 19. März 1911 - gingen Frauen in vielen Ländern gemeinsam mit ihrer zentralen Forderung „Heraus mit dem Frauenwahlrecht“ auf die Straße. Allein in Deutschland folgten damals mehr als eine Million Frauen diesem Aufruf.
Hagedorn: „Sozialdemokratinnen wie die spätere Gründerin der Arbeiterwohlfahrt Maria Juchacz und Gewerkschaftlerinnen standen dabei an der Spitze. Sieben Jahre später führte die Sozialdemokratie das allgemeine Frauenwahlrecht ein und kurz darauf zogen 1919 37 Frauen als Abgeordnete in die Weimarer Nationalversammlung ein, wo Maria Juchacz am 19. Februar 1919 als erste deutsche Frau im Parlament redete – diese Frauen waren aber nie nur Frauenrechtlerinnen, sie waren immer gleichzeitig mutige Sozialreformerinnen und international vernetzte Friedensaktivistinnen. Diese Tradition zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Frauenbewegung.“
100 Jahre Weltfrauentag: „Ohne Gleichstellung kein Fortschritt!“
Pressemitteilungen
Am 8. März 1917 gingen tausende russischer Frauen angesichts von Tod und Elend durch Krieg für „Brot und Frieden“ auf die Straße – 1930 stand der Internationale Frauentag angesichts von wachsendem Nationalsozialismus unter dem Motto: „Gegen Sozialabbau, Gegen Faschismus, Für Arbeitsschutz, Für Völkerverständigung und Solidarität!“. Ab 1932 war dieses mutige Engagement der Frauen 15 Jahre lang in Nazi-Deutschland unmöglich – viele engagierte Frauen wurden verfolgt, inhaftiert, getötet, wenn sie nicht rechtzeitig ins Exil gelangen konnten.
Hagedorn: „Gemessen an diesen Vorkämpferinnen haben Frauen es heute erheblich leichter sich für echte Gleichberechtigung in Politik, Gesellschaft und Beruf zu engagieren – aber trotz aller Erfolge der letzten 100 Jahre ist es bitter, dass wir dennoch weit von echter Gleichberechtigung gerade im Beruf entfernt sind: es ist ein Skandal, dass Frauen bei gleicher Qualifikation im Schnitt 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen für vergleichbare Arbeit verdienen. Frauen arbeiten trotz überdurchschnittlich guter Schul- und Berufsabschlüsse überproportional im Niedriglohnbereich und zu Dumpinglöhnen. Teilzeitarbeit ist meist weiblich – und Armutsrenten sind es auch. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes und „Equal Pay“ würde deshalb insbesondere Frauen helfen, von ihrer Arbeit – meist mit Kindern - ohne Sozialtransfers leben und eine eigenständige Rente für das Alter aufbauen zu können. Voraussetzung dafür ist allerdings auch eine ganztägige gute Betreuung von Kindern jeden Alters – dass Deutschland international und Schleswig-Holstein national hier immer noch Schlusslicht ist, stellt für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf dem Rücken der Mütter eine Katastrophe dar. Mit Abstand die größten Probleme haben gerade die alleinerziehenden Mütter – und dieses ist in unserem reichen Land fatal nicht nur für die Frauen, sondern vor allem für ihre Kinder. Leider geht die aktuelle milliardenschwere Kürzungsarie bei der Bundesagentur für Arbeit gerade zu deren Lasten.“
Die Hauptblockade für langzeitarbeitslose Frauen im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins ist nach wie vor die fehlende ganztägliche Kinderbetreuung von der Krippe bis zum Schulabschluss - für Alleinerziehende ist es häufig fast unmöglich, Beruf und Familie unter einen Hut‘ zu bringen und so ein eigenständiges Einkommen zu erzielen, das ihre Existenz mit den Kindern sichert. Nicht nachvollziehbar: Schleswig-Holstein liegt dennoch beim Mittelabruf der Bundesförderung „Kinderbetreuungsfinanzierung“ an drittletzter Stelle aller Bundesländer!
Hagedorn: „Nicht nur angesichts des drohenden massiven Fachkräftemangels können es sich Gesellschaft und Unternehmen nicht länger leisten, auf das Potenzial der meist hervorragend ausgebildeten Frauen zu verzichten. Land und Kommunen müssen ‚Gas geben‘ beim qualitativen und quantitativen Ausbau von Betreuungsangeboten, aber auch die Unternehmen selbst sind im eigenen Interesse zur Förderung aufgefordert. Die Milliarden des Bundes aus dem jüngsten ‚Hartz-IV-Kompromiss zu Gunsten der Kommunen müssen jetzt ohne Verzögerung mit Hochdruck für bessere Bildungschancen eingesetzt werden.“
Aber auch dort, wo Frauen erfolgreich im Beruf sind, liegt noch viel im Argen: So sucht man Frauen in den Führungsetagen leider noch immer mit der Lupe: 90 Prozent der 100 größten deutschen Unternehmen haben keine Frau im Vorstand! Der Frauenanteil in den Vorständen der Top-200-Unternehmen lag 2010 bei gerade einmal 3,2 Prozent!
Hagedorn: „Und was macht unsere Regierung? Sie glaubt, Freiwilligkeit und Appelle würden ausreichen - eine Quote, die in vielen anderen Ländern deutlich messbare Erfolge zeigt, lehnt Schwarz-Gelb ab. Dabei zeigt die Erfahrung in Deutschland seit 10 Jahren: der erhobene Zeigefinger als einzige Sanktionsmaßnahme ist wirkungslos, die Appelle sind verpufft. Jetzt müssen gesetzliche Maßnahmen her, wie auch immer mehr Frauen bei der FDP und Union erkennen. Wer allein auf ‚Guten Willen‘ setzt, nimmt Stillstand in Kauf. Und ohne Gleichstellung gibt es keinen Fortschritt“
Bereits vor einem Jahr hatte die SPD in ihrem Antrag „Mit gesetzlichen Regelungen die Gleichstellung von Frauen im Erwerbsleben umgehend durchsetzen“ eine gesetzliche Frauenquote von mindestens 40 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten – vergeblich - gefordert.
Hagedorn: „Ich rufe die Frauen dazu auf, sich zu solidarisieren, sich selbstbewusst für verantwortungsvolle Positionen zu bewerben und sich untereinander zu vernetzen und zu stärken. Tage wie der Internationale Frauentag tragen zu einem Bewusstseinswandel in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bei.“



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