
Foto: Sana Kliniken Ostholstein GmbH
Am 20. Januar habe ich mein 8. "Praktikum" seit 2004 gemacht: nachdem ich bereits sieben Mal in Alten- und Pflegeeinrichtungen der AWO und privater Einrichtungen sowie im Mobilen Pflegeeinsatz des DRK ganztägig hospitiert habe, um im direkten Kontakt mit den Bewohnern, Patienten und Mitarbeitern vor Ort zu erfahren, wo der Schuh drückt, war ich jetzt das erste Mal im Klinikbetrieb in den Sana Kliniken Ostholstein in Eutin - ganz gemäß meinem Motto „Stark im Handeln – nah bei den Menschen“.
Morgens früh um 6 Uhr, noch vor Sonnenaufgang, ging meine „Schicht“ auf der Intensivstation los – in den nächsten vier Stunden machte ich mir ein Bild von der täglichen Arbeit der Ärzte, Krankenschwestern und Pflegkräften. Die nächsten vier Stunden durfte ich bei Frau Dr. Fenske in der Onkologischen Tagesklinik hospitieren und – mit Zustimmung der Patienten – sogar bei Beratungsgesprächen der Krebspatienten dabei sein. Ich nehme von diesem Praktikum eindrucksvolle Momente aus der Arbeit der Ärzte und Mitarbeiter der Klinik mit ihren Patienten mit - die engagierte Arbeit verdient höchste Anerkennung! Nicht zu vergessen: In den Gesundheits- und Pflegeberufen steigen die Krankenquoten aufgrund von Überlastung durch zu geringe Personalschlüssel, Schicht- und Wochenendarbeit sowie mangelnde gesellschaftliche Wertschätzung für die Arbeit. Gleichzeitig wird bundesweit - und insbesondere in unserer Region als exponierter Gesundheits- und Pflegestandort mit einer überproportionalen Dichte an Einrichtungen - ein deutlicher Fachkräftemangel spürbar, der sich in den nächsten Jahren dramatisch steigern wird: darum war dieses Thema auch zu Recht im Mittelpunkt der Koalitionsverhandlungen und ist Kern von Initiativen der SPD gewesen. Die Politik in Berlin muss handeln! Wir brauchen mehr Nachwuchs in den Gesundheits- und Pflegeberufen, schlüssige Ausbildungskonzepte und faire Löhne, um wohnortnah mit Hilfe von Pflegestützpunkten die Versorgung durch Ärzte und die Betreuung durch mobile Fachkräfte sicherstellen zu können. Daher habe ich einen „Runden Tisch zur Pflege“ eingerichtet, der in regelmäßigen Abständen zentrale Probleme in der Pflege aufgreift – wir wollen gemeinsam mit den Experten aus Kliniken und Pflegeeinrichtungen politische Initiativen anstoßen, die sowohl im Sinne der Älteren und Angehörigen wie auch der Mitarbeiter sind – am 7. August 2013 haben wir bereits zum dritten Mal getagt. Im Zentrum dabei steht, die Pflege- und Gesundheitsberufe aufzuwerten durch mehr Qualifizierung und faire Löhne sowie eine Offensive gegen den Fachkräftemangel durch kostenfreie Pflegeausbildung.

Foto: Sana Kliniken Ostholstein GmbH
Mein Fazit: Die Herausforderungen für eine solidarische und gerechte Gesundheitspolitik sind nach vier Jahren Schwarz-Gelb hoch! Mit Klientelpolitik zu Lasten der Schwachen muss Schluss sein! Ich stehe dafür, dass alle Menschen – unabhängig vom Geldbeutel – die gleiche medizinische Versorgung und Zugang zu medizinischem Fortschritt erhalten müssen. Bei zentralen Themen wie faire Löhne für gute Arbeit, Fachkräftemangel, gute Qualität bei der Patientenversorgung und gerechte Krankenhausfinanzierung gibt es für die Politik noch viel zu tun. Auch unsere Landesgesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) hat sich in den letzten Jahren erfolgreich für eine bessere Finanzierung der Kliniken engagiert: 2014 erhalten diese eine Finanzspritze von 64,5 Mio. Euro durch den gestiegenen Landesbasisfallwert. Es gilt also: Dran bleiben!
Hintergrund Landesbasisfallwerte
Die Kliniken in Schleswig-Holstein sind bereits seit vielen Jahren im Nachteil gegenüber Kliniken aus anderen Bundesländern, weil sie für die gleiche Behandlung weniger Geld verlangen dürfen. Grund dafür sind die im Vergleich der Bundesländer unterschiedlichen Landesbasisfallwerte. Landesbasisfallwerte dienen zur Berechnung der innerhalb eines Bundeslandes einheitlichen Preise für stationäre Leistungen. Eine Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums hat Ende 2013 festgestellt, dass diese Unterschiede historisch, aber nicht ökonomisch begründet sind. Für Schleswig-Holsteins Kliniken bedeutet das eine finanzielle Benachteiligung in Millionenhöhe – bereits die Anhebung des Landesbasisfallwertes 2013 (3.012,04 €) auf den neuen Wert 2014 (3.117,36€) – beschert den Kliniken ca. 64,5 Millionen Euro mehr, dabei ist der Unterschied hier mit 105,32 Euro nur etwa halb so groß wie im Vergleich der Bundesländer Schleswig-Holstein (3.117,36€) und Rheinland-Pfalz (3.325 €), hier sind es 207,64 Euro weniger für SH. Man sieht also: Beim Thema Landesbasisfallwerte geht es für Schleswig-Holstein und seine Kliniken um viel Geld: Bei der Qualität der Versorgung, für die Krankenhäuser, für die Mitarbeiter und für die Patienten.
Das hatte bereits die damalige Sozialministerin des Landes Gitta Trauernicht (SPD) erkannt und im Jahr 2008 zusammen mit der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) auf der Gesundheitsminister-Konferenz in Plön einen Kompromiss zur Angleichung der Landeswerte bis 2014 durchgesetzt, an dessen Ende ein bundeseinheitlicher Wert stehen sollte. Wie bei vielen anderen Themen (Hotelierssteuer, Betreuungsgeld, etc.) gab es leider auch hier einen Rückschritt durch vier Jahre Schwarz-Gelb: 2010 hat der damalige Bundesgesundheitsminister Rösler (FDP) den 2008 gefundenen Kompromiss ausgesetzt, in der Folge fehlten in Schleswig-Holstein nach Angaben des Geschäftsführers der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein 20 Millionen Euro jährlich – was beispielsweise mehr als 400 Arbeitsplätzen in der Pflege entspräche.