Fast 30 Punkte umfasste die Tagesordnung der
Haushaltsausschuss-Sondersitzung am gestrigen Mittwoch –
unter Punkt 26 wurde der 2. Quartalsbericht des
Bundesrechnungshofes und des Berliner Finanzministeriums
zur bundesweiten Umsetzung des Konjunkturpakets II durch die Länder vorgelegt – die vergleichenden Zahlen sind ein Armutszeugnis für die Landesregierung Schleswig-Holstein mit dem federführenden Finanzministerium. Hagedorn: „Der Bundesrechnungshofbericht ist eine ‚schallende Ohrfeige‘ für Finanzminister Wiegard und Ministerpräsident Carstensen – von keinem anderen Land werden die 5 Mrd. Euro des Bundes, die allein für 2009 den Kommunen und Ländern für öffentliche Aufträge an die regionale Wirtschaft zur Verfügung gestellt sind,
so schleppend abgerufen wie in Schleswig-Holstein.
Hagedorn: Kieler Finanzministerium bremst Konjunkturaufschwung
Pressemitteilungen
Mit Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern ist Schleswig-
Holstein trauriges Schlusslicht aller Flächenländer bundesweit – nicht ein Cent wurde mit Stichtag 15. August in Berlin abgerufen. Das zweite Indiz für die schleppende Bearbeitung im Norden ist die Investitionsquote: auch da ist Schleswig-
Holstein mit 27,4 % Schlusslicht – in diesem Fall mit Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. Das ist ein Skandal!“
Beleg hierfür ist der unter der Drucksache 6098 veröffentlichte Bericht des Bundesrechnungshofs vom 20. August, der noch weitere interessante Vergleichszahlen vorlegt – z.B. die zur „Kommunalfreundlichkeit“ der Länder bei der Verteilung von den insgesamt für 2009 vorgesehenen Bundesfinanzhilfen von 5 Mrd. Euro aus dem Konjunkturpaket II. Für die ostholsteinische Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn (SPD), selbst Mitglied im Haushaltsausschuss, sind diese Zahlen zusammen genommen ein Skandal: „Diese Verschleppung des Konjunkturpaketes II zu Lasten von Kreisen, Städten und Gemeinden, zu Lasten von Schulen,Kindergärten, Krippen und öffentlicher Infrastruktur und vor allem zu Lasten von regionalem Handwerk und Mittelstand ist schlicht verantwortungslos. Das umständliche Handeln der
Landesregierung konterkariert ganz klar die Zielsetzung des Haushaltsausschusses, die Konjunktur zügig zu stabilisieren und unverzüglich die Auftragsbücher in Handwerk und Mittelstand durch öffentliche Aufträge mit 75 % Bundesmitteln zu füllen, um möglichst viele Arbeitsplätze zu retten."
Besonders brisant: Schleswig-Holstein unter der obersten
Zuständigkeit von Finanzminister Wiegard (CDU) und
Ministerpräsident Carstensen (CDU) ist nicht nur das eindeutige Schlusslicht unter den 16 Bundesländern bei dem Abruf der Bundesmittel: Bundesweit sind im Schnitt 2 % der 10 Mrd. € bereits ausgezahlt – also 200 Mio. € - an Schleswig-Holstein NULL. Außerdem sind bundesweit bereits 50 % dieser Bundesmittel mit konkreten Planungen für Projekte belegt – in Schleswig-Holstein nur 27,4 %, während beispielsweise Sachsen mit 86,1 Prozent bei den laufenden Vorhaben zu den Spitzenreitern zählt.
Mit der Drucksache 6111 für den Haushaltsausschuss greift das Finanzministerium in Berlin zur Kommunalfreundlichkeit bei der Umsetzung des Konjunkturprogramms drei Negativbeispiele auf – in zweien spielt Schleswig-Holstein eine „prominente“
Schlusslichtrolle – und resümiert: „Erwähnenswert sind folgende Tendenzen:
- Der kommunalbezogene Investitionsanteil ist in Schleswig-Holstein mit knapp 21,8 % auffällig niedrig,
- während er in allen anderen Ländern zwischen knapp 60% (Saarland) und 100 % (Nordrhein-Westfalen) liegt.
- Erhebliche Unterschiede bestehen in der Aufteilung auf die einzelnen Förderbereiche, z.B. liegen bei Maßnahmen im Bereich der Schulinfrastruktur die Anteile zwischen 67,4 % (Nordrhein-Westfalen) und 4,0% (Schleswig-Holstein).“
Veröffentlicht am 27.08.2009



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