Bettina Hagedorn mit dem rot-grünen Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck am 29. Juni 2010 beim SPD-Fest anlässlich der Bundesversammlung im Berliner Haus der Kulturen der Welt
Nach einem "Wahlmarathon"; von insgesamt über 10 Stunden hat die 14. Bundesversammlung gestern Abend um kurz nach 21 Uhr mit 625 Stimmen (19 Stimmen weniger als Schwarz-Gelb hatte!) Christian Wulff (CDU) erst im 3. Wahlgang zum 10. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Unser Kandidat - der parteilose Bürgerrechtler Joachim Gauck - hat mit 494 Stimmen ein tolles, alle Erwartungen übertreffendes Ergebnis erzielt - er erhielt immerhin 34 Stimmen mehr als Rot-Grün selbst hatte. Die Linksfraktion hat sich praktisch komplett enthalten (121 Stimmen) - und damit den Sieg Wulffs erst möglich gemacht. Die Linkspartei muss sich vorhalten lassen, dass es bereits im ersten Wahlgang eine Mehrheit für Joachim Gauck hätte geben können, wenn sie nicht in einer Art Trotzreaktion auf die Aufstellung einer eigenen (aussichtslosen) Kandidatin bestanden hätte. Die Linkspartei hat damit mindestens Politikunfähigkeit und Ignoranz bewiesen, weil sie einen über Parteigrenzen anerkannten Kandidaten nur deshalb boykottierte, weil dieser für die Aufklärung der Stasivergangenheit und des DDR-Unrechts gekämpft hat - welch ein Staatsverständnis der vermeintlich "Linken" wird da sichtbar? Und zusätzlich blieb dabei am 30. Juni der Anspruch "nah bei den Menschen" zu sein komplett "auf der Strecke": denn die Menschen in unserem Land wollten ganz überwiegend - quer durch alle gesellschaftlichen Schichten - einen Bundespräsidenten Joachim Gauck, der sie mit seinen Reden, seiner Gradlinigkeit und seiner Biographie glaubwürdig berührt hat.
Bettina Hagedorn bei der Bundesversammlung mit den SPD-Wahlmännern und -frauen Ralf Stegner, Andreas Breitner, Gitta Trauernicht und Serpil Midyatli
Bettina Hagedorn und Sigrid Tenor-Alschausky
Joachim Gauck war der absolut richtige Kandidat zum richtigen Zeitpunkt! Seine Art und seine Persönlichkeit, seine Kandidatur sowie der Verlauf der Bundesversammlung waren ein Gewinn für unsere lebendige Demokratie und unsere Gesellschaft. Nach meinem Verständnis ist das Amt des Bundespräsidenten überparteilich und sollte moralische Autorität und Führungsqualitäten aufweisen, die alle Deutschen miteinander vereint. Der frühere DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck - obwohl auf Vorschlag von SPD und Grünen zur Wahl angetreten - ist als parteiloser Demokrat diesem Anspruch gerecht geworden. Die spontan initiierte Internet-Community mit tausenden Anhängern ist nur ein Beispiel dafür, wie viele Menschen jeden Alters unser Kandidat in den letzten Wochen mit seinen nachdenklichen Reden und seinem unabhängigen Amtsverständnis überzeugt hat und für sich einnehmen konnte. Hunderte Emails, die mich in den vergangenen Tagen erreicht haben, sprechen eine deutliche Sprache und sind ein Beleg dafür, dass ein unmissverständlicher Wunsch nach Veränderung vorhanden ist und dass es den Menschen eben nicht egal ist, wer sie als Staatsoberhaupt vertritt.
Anke Spoorendonk vom SSW zusammen mit Bettina Hagedorn
Ich war zum 3. Mal bei einer Bundespräsidentenwahl stimmberechtigt und hätte mir natürlich sehr gewünscht, dass diese Hoffnungen und Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger auch bei den Volksvertretern aller Parteien angekommen wären und diese mit ihrer Wahl ein Zeichen zur Überwindung der politischen und gesellschaftlichen Spaltungen gesetzt hätten. Dass es - für uns alle unerwartet - zu einem zweiten und sogar dritten Wahlgang gekommen ist, hat - sicher nicht nur bei mir - Hoffnungen geweckt darauf, dass an diesem 30. Juni vielleicht doch noch ein kleines "Wunder", eine politische Sensation geschehen könnte. Aber die Ernüchterung erfolgte, als das Ergebnis des dritten Wahlgangs verkündet wurde. Es passt zu Joachim Gaucks positivem Charakter, dass er am Ende des Tages nach eigenen Worten "trotz allem ein glücklicher Mensch" sei - reicher geworden an Erfahrung und von vielen Menschen bestätigt in seinem Ziel, in unserer Gesellschaft "Brücken bauen" zu wollen. Er kann mit der Gewissheit aus dieser Wahl gehen, trotz Niederlage in unser aller Köpfen etwas bewegt zu haben - bei der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger ist er der große Sieger.
Bettina Hagedorn zwischen Sönke Rix und Andreas Breitner
Dass es für Schwarz-Gelb und Bundeskanzlerin Merkel außerdem kein guter Tag war - sogar der schleswig-holsteinische FDP-Delegierte Kubicki sprach von einer "Klatsche" für Schwarz-Gelb -, erscheint fast nebensächlich.. Übrigens: Im ersten Wahlgang erhielt Joachim Gauck 499 Stimmen, die Kandidatin der Linken Lukrezia Jochimsen 126 Stimmen und Christian Wulff nur 600 Stimmen, obgleich Schwarz-Gelb über 644 Stimmen verfügte...schon nach diesem ersten Wahlgang hätte unser neuer Bundespräsident Joachim Gauck heißen können ....
Die Wahlfrauen und -männer der SPD aus Schleswig-Holstein
v.l.n.r. Bettina Hagedorn, Andreas Breitner, Gitta Trauernicht und Serpil Midyatli