Brunsbüttel 23.09.2011

Podiumsteilnehmer: Mathias Stein ( Mitglied im SPD Landesvorstand), Bernd Bertam (Geschäftsführer Unifeeder), MdB Johannes Kahrs, Moderator Jörn Thiessen, MdB Bettina Hagedorn und Michael Hartmann (Lotsenältermann)
Bei der Diskussionsveranstaltung „SOS für den Nord-Ostseekanal“ auf Einladung der schleswig-holsteinische SPD Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn und ihrem Hamburger Parteifreund Johannes Kahrs haben Politiker, Vertreter der maritimen Wirtschaft und die Lotsen gemeinsam von der Bundesregierung die Bereitstellung von Gelder für den Bau der fünften Schleusenkammer gefordert. Rund 230 Gäste haben in Brunsbüttel die Forderungen der Redner Mathias Stein, Michael Hartmann, Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK I und Bernd Bertam, Vertreter der maritimen Wirtschaft unterstützt: schnell zu handeln.

Denn dem Nord-Ostsee-Kanal, der meist befahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt, droht der Verkehrsinfarkt. Mehr als 100 Jahre nach Eröffnung des Kanals ist die Lebensader des Nordens mit jährlich rd. 40.000 passierenden Schiffen den steigenden Anforderungen kaum mehr gewachsen. Vor allem die Schleusen in Brunsbüttel und Kiel sind zum Nadelöhr geworden, bei Ausfall der großen, doch mittlerweile maroden Nord- und Südschleusen in Brunsbüttel würde gar eine Vollsperrung des Kanals drohen. Einziger Ausweg: der Bau einer 5. Schleusenkammer, um die übrigen Schleusen Schritt für Schritt und ohne Verkehrseinschränkungen sanieren zu können.
2007 waren im SPD-geführten Bundesverkehrsministerium die Würfel für den Schleusenneubau gefallen, 2008 stellte der Haushaltsausschuss im Konjunkturpaket einen dreistelligen Millionenbetrag ein, mit dem der Bau begonnen werden sollte. Doch dieses Geld wurde von Verkehrsminister Ramsauer nie abgerufen, der Schleusenneubau soll jetzt komplett gestrichen werden. Selbst die 170 Mio. € für die Sanierung der bestehenden Wehre stehen aktuell nicht bereit.
Diese kurzsichtige Kürzung wird sich rächen. Wegen des Reparaturstaus kann oft nur noch ein Notbetrieb gefahren werden – größere Schiffe müssen stundenlang auf die Passage warten und weichen gar auf deutlich längere Alternativrouten aus. Doch nicht nur die Wirtschaft Schleswig-Holsteins, sondern die des ganzen Landes ist auf eine funktionierende Wasseranbindung angewiesen – tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.
Die SPD-Bundestagsfraktion unterstützt die Forderung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, der Lotsen, Reeder und Vertreter der maritimen Wirtschaft, die notwendigen finanziellen Mittel für die Sanierung der museumsreifen Technik und den Bau der 5. Schleuse umgehend bereitzustellen, um den Fortbestand dieser wichtigen Lebensader zu garantieren. Der Verkehrsinfarkt auf dem NOK muss verhindert werden. „Die größte Wertschöpfung in der Region hängt ab von einem funktionierenden Nord-Ostsee-Kanal“, betonte Bettina Hagedorn. „Die ganze Region muss sich in Berlin zu Wort melden, so das Fazit des Abends.“
Fotos :Jochen Scheer