100 Jahre wäre Willy Brandt am 18. Dezember 2013 geworden. Seine weitsichtige und authentische Persönlichkeit hat in den 60er und 70er Jahren viele andere Sozialdemokraten in die Partei gebracht. Die Themen Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität verkörperte Willy Brandt in seinem ganzen politischen Wirken – und sie bilden bis heute den Kern der Sozialdemokratie. Diese Werte sind für uns bis heute politische Orientierung – gerade auch in einer europäischen Krise. Willy Brandt ist für mich eines der größten Vorbilder, sowohl politisch als auch menschlich. Sein Kniefall von Warschau war eine große Geste der Versöhnung, die mir immer in Erinnerung bleiben wird.

Vor dem Willy-Brandt-Portrait im Berliner Kanzleramt.
Für Brandt selbst war ein weiterer späterer Friedensnobelpreisträger Idol: Nelson Mandela. Über den kürzlich verstorbenen ehemaligen Präsidenten Südafrikas sagte Brandt 1990: „Hier ist einer gekommen ohne Hass, ohne Feindschaft, ohne das Bedürfnis nach Rache, sondern mit dem Wunsch, den Teufelskreis von Unterdrückung und Gewalt zu durchbrechen und ein vom Rassenwahn zerrissenes, blutendes Land zusammenzuführen und heilen zu helfen. Was Nelson Mandela zu einem Idol für uns und die Jugend überall in der Welt werden ließ.“ In diesen Worten finde auch ich mich sehr gut wieder, Madiba wird den Menschen immer ein Vorbild und Idol bleiben.

Am Mittwoch nahmen über 1.500 Gäste aus Politik und Gesellschaft das Jubiläumsjahr Willy Brandts zum Anlass in der Lübecker Musik- und Kongresshalle an den großen Sozialdemokraten und Friedensnobelpreisträger zu erinnern. Bundespräsident Gauck, der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer und der ehemalige norwegische Außen- und Verteidigungsminister Thorvald Stoltenberg würdigten Brand als einen der größten deutschen Politiker, fanden aber auch persönliche Worte. Gauck: „Ich spreche sicher vielen aus dem Herzen, wenn ich sage: Willy Brandt ist noch immer gegenwärtig - mit allem, was er verkörpert: mit seiner Liebe zur Freiheit, mit seinem Streben nach Frieden und Gerechtigkeit, mit seiner Überzeugung, dass jede Zeit eigene Antworten will und dass wir selbst die Welt verändern müssen.“

Mit Gabi Hiller-Ohm in Lübeck
Am 2. Dezember wurde der Willy-Brandt-Preis an Frank-Walter Steinmeier und den ehemaligen norwegischen Außenminister Jonas Gahr Støre verliehen. Beide wurden für ihre außerordentlichen Beiträge zur Förderung der deutsch-norwegischen Beziehungen geehrt. Willy Brandt selbst war 1933 vor den Nationalsozialisten aus Lübeck, damals noch unter dem Namen Herbert Frahm, ins Exil nach Norwegen geflohen.
In der Lübecker Petrikirche hatte die SPD Schleswig-Holstein bereits am 22. November einen Festakt für Willy Brandt ausgerichtet. „Er hatte den Mut zu einer großen historischen Initiative, der Friedens- und Entspannungspolitik, die den Weg zur späteren deutschen Einheit bahnte“ sagte Ralf Stegner und Björn Engholm betonte auch die emotionale Bindung vieler Weggefährten zu Willy Brandt: „Herbert Wehner haben wir respektiert und auch gefürchtet. Helmut Schmidt haben wir hoch geachtet. Doch Willy Brandt haben wir verehrt und gelegentlich sogar geliebt.“

Mit Gabi Hiller-Ohm und Ernst Dieter Rossmann